Der MDR hat gestern über den Mindestlohn im Taxigewerbe berichtet.
Drastisch die Bemerkungen von Hans-Jürgen Zentzsche vom Landesverband Sächsischer Taxiunternehmer. Hilflos, wie der BZP!
"Wir haben kein Rezept!"
Sendung vom 2.April 2014
http://www.mdr.de/sachsen/mind…f1f179a7_zs-9f2fcd56.html
Gesetzlicher Mindestlohn Taxifahrer: "Es drohen Chaos und Kollaps"
Hinter den Kulissen wurde bis zuletzt um jedes Wort gepokert. Nun will Andrea Nahles ihr Gesetz für einen bundesweit einheitlichen Mindestlohn der Bundesregierung vorlegen. Jeder Angestellte über 18 Jahre soll mindestens 8,50 Euro verdienen. Ausnahmen wird es weniger geben, als es sich die Wirtschaft wünscht: Nur Praktikanten und Langzeitarbeitlose werden keinen Mindestlohn erhalten. Eine Branche, die der Mindestlohn besonders betrifft, ist das Taxi-Gewerbe: Die Fahrer verdienen schlecht - und trotzdem freuen sich nicht alle auf mehr Geld.
von Ralf Geißler
Taxifahrer Hartmut Spintzyk sieht seinen Beruf durch den Mindestlohn bedroht.
Vor Leipzigs berühmter Thomaskirche herrscht Flaute. Fünf Taxifahrer warten auf Kunden. Hartmut Spintzyk hat den Motor abgestellt, um Sprit zu sparen. Der gelernte Berufskraftfahrer ist 38 Jahre im Geschäft. Bald könnte er 8,50 Euro Stundenlohn verdienen, ist aber gar nicht begeistert: "Ich bin ein typischer Ostdeutscher, der sagt: Ich nehme lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach. Ich habe wirklich die große Angst, dass, wenn der Mindestlohn auch in unserem Gewerbe kommt, wir alle aufs Arbeitsamt gehen. Denn der Unternehmer kann das nicht bezahlen."
Können die Taxiunternehmen nicht einfach ihre Preise erhöhen?
"8,50" steht in großen Ziffern vor dem Bundeskanzleramt in Berlin, die für einen Mindestlohn von 8,50 Euro stehen.
Derzeit verdienen angestellte Taxifahrer rund 6,50 Euro je Stunde. Hinzu kommen steuerfreie Zuschläge für Wochenend- und Nachtdienste sowie das Trinkgeld. Mehr ist nicht drin - schon gar keine 8,50 Euro. Das sagt auch Hans-Jürgen Zetzsche, Vorstand im Landesverband Sächsischer Taxi- und Mietwagenunternehmer: "Wenn es so kommt, dann wird es zu einem furchtbaren Chaos, möglicherweise sogar zum Kollaps des Taxigewerbes führen." Denn die Unternehmer könnten mit Einführung des Mindestlohns nicht einfach die Preise erhöhen. Die Taxitarife legen die Kommunen fest - die Stadt Leipzig im Verbund mit Halle und drei Landkreisen: "Ohne es konkret ausgerechnet zu haben, denke ich, dass wir unsere Taxitarife beinahe verdoppeln müssten. Und das ist ganz einfach nicht möglich."
Keine Lösung: Freiberufliche Taxifahrer
Die Branche hat sich ans Bundessozialministerium gewandt. Zu den Anhörungen über die Folgen des Mindestlohns waren die Taxifahrer als Erste eingeladen. Sie konnten allerdings nichts erreichen. Unternehmer Thomas Bühnert beschäftigt in Leipzig 13 Fahrer und befürchtet nun das Schlimmste: "Es wird zu Entlassungen beziehungsweise zur Stilllegung von Fahrzeugen kommen. Meiner Ansicht nach gibt es dann nur noch selbstfahrende Unternehmer, es wird zu einer Ausdünnung der Taxis kommen. Und der selbstfahrende Unternehmer ist nicht unbedingt bereit, Samstagnacht oder an Silvester Taxi zu fahren." Doch wie knapp Taxis dann würden, ist umstritten.
Leipzig hat zu viele Taxis
In Leipzig sind 677 Fahrzeuge zugelassen. Ein Gutachten von 2009 empfiehlt für die Stadt maximal 650. Auch Fahrer Spintzyk hat den Eindruck, dass es zu viel Konkurrenz gibt: "Es gibt eine Regelm, die aus den alten Bundesländern kommt und besagt: Pro 1.000 Einwohner genügt statistisch gesehen eine Taxe." Demnach käme Leipzig auch mit reichlich 500 Taxis aus - doch die erteilten Konzessionen lassen sich schlecht wieder einziehen.
Hartmut Spintzyk muss noch drei Jahre fahren. Dann will er eine andere Reform der Bundesregierung nutzen: Rente nach 45 Beitragsjahren.
Zuletzt aktualisiert: 02. April 2014, 05:00 Uhr