Wie versprochen und vorgenommen habe ich ein kleines Tagebuch geführt über meine Erlebnisse im Knast.
Es muß ja nicht jeder lesen, aber vielleicht hilft es dem einen oder anderen, doch mal das UG, an dem man ja als Taxifahrer zweimal am Tag vorbei fährt, mit etwas anderen Augen zu sehen!
ICH JEDENFALLS möchte, im Nachherein gesehen, diese 17 Tage meines Lebens nicht mehr missen, denn die haben mir geholfen, doch viele Dinge aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten!
Und ich danke hier noch einmal dem - leider - unbekannten Spender, der meine Strafe vorzeitig bezahlt hat. Aus meiner Familie war's keiner.
Trotzdem noch mal: DANKE!
Und auch noch mal ganz explizit meinen aufrichtigsten Dank an Herrn Thomas Hofschulte, noch Aufsichtsrats-Vorsitzender der Hansa-Funk-Taxi eG in Hamburg, und an seinen Anwalt TIM OLIVER BECKER, die beide nicht geruht und gerastet haben, mir endlich den ersehnten Abenteuer-Urlaub zu ermöglichen! DANKE!
Zunächst einmal die offizielle Einlandung, meinen Urlaub antreten zu dürfen:
TAG 1 20.September 2010
Gegen 10.40 Uhr war ich pünktlich am Knast, um mich zu stellen, wie es im Knast-Jargon so schön heißt!
Weit und breit niemand (Anmerkung: 5 oder 6 Kollegen konnten nicht kommen, da sie zB in Berlin vor Gericht aussagen mußten oder gerade in der Zentral-Türkei auf Urlaub waren)! Hat mich schon ein bißchen traurig gestimmt. Dann aber tauchten Eberhard Engel und später Kai auf. Wenigstens ein paar treue Seelen, die Wort halten! Und auch Evchen und Daniel kamen (Anmerkung: Meine Tochter und ihr Freund). Wir machten ein paar dekorative Fotos für's Netz und Eberhard mit seinem iPhone ein Filmchen (Anmerkung: Diese folgen später nach), das er bei YouTube reinsetzen will (Anmerkung: Hat er noch nicht gemacht, da er damit nicht zurecht kam. Kriegen wir aber noch hin). Gegen 11.00 Uhr gab es dann einen ziemlich emotionalen Abschied, und ich betrat die Höhle der Verdammnis.
Ziemlich kleiner Vorraum. Ein gepanzerter Glaskasten mit Beamten, eine X-Ray-Maschine und ein Tor zum Durchgehen. Papiere vorgelegt, Koffer in die Durchleuchtung und ich durch's Tor.Dann kam ein weiterer Beamte. Der erste war noch geschockt wegen der Medizin-Packungen mit Nadeln und so. Ich hörte, wie er zum zweiten sagte, daß das noch Ärger geben könnte. Dann wurde ich durch einen Gang zu einem Büro gebracht. Selbst dieses sah einer Zelle schon verdammt ähnlich. Da jeden Tag acht Stunden arbeiten und ich würde mich erschießen.Was für Scheiß-Jobs sind das bloß! Immer in so einem Ambiente!? Dann mußte ich mich komplett ausziehen und jede Naht aller Klamotten wurde untersucht. Ich selbst allerdings nicht!? Danach kam ich in eine Art Warteraum, wo man mir eine Schale mit Hühnereintopf servierte. War gar nicht mal schlecht, und beinhaltete sogar ziemlich viel Fleisch.Dann wurde mein Koffer ausgepackt, alles Gedruckte konfisziert (auch die angeblich erlaubten Bücher zur Fortbildung und Freizeitgestaltung)!? Werde mich darüber beschweren! Danach brachte man mich ins Krankenhaus. Nach etwa 1 1/2 Stunden Ablagern kam eine Schwester und brachte mich zum Arzt. Dieser Mann kam aus dem tiefsten Afrika, sprach aber sehr gut Deutsch. Arzt und Schwester waren aber sehr nett, wie ich bemerken darf. Auch die anderen Beamten waren eigentlich ziemlich freundlich und höflich! Nur das mit den Büchern nervte echt. "Da könnten unerlaubte Nachrichten drinstehen!"
Nun ja. Mit der Medizin ging das einfacher (Anmerkung: Die brauche ich gelegentlich). Ich bekam eine Packung mit und der Rest kam dort in den Kühlschrank. Mein Koffer war irgendwo abgelagert worden, ebenso alle Dinge, die ich nicht mitnehmen durfte, wie die Bücher, mein Handy, meine bedruckten Schmierzettel und mein T-Shirt, wg politischer Parolen
Der Gang (das ganze Haus) sieht noch aus wie ein Knast zur Nazizeit (Anmerkung: etwa 100 Jahre alt aber ein bißchen renoviert über die Jahre), außer ein paar modernere Glastüren. Die Zelle selbst sieht so aus, wie man sich eine Zelle vorstellt: Etwa 10 qm groß, ein am Boden festgeschraubtes Bett (leidlich bequem). Dazu ein Tisch mit Stuhl, ein primitiver Schrank, ein Waschbecken und ein Kloh (Anmerkung: Beides aus Stahl)! Erst mal meine Sachen verstaut und das Bett gemacht. Dann allerdings gab es ein paar Stunden Warterei mit Meditation und Nachdenken. Dann gab es Abendbrot: 8 Stullen Mischbrot (!), Teewurst, Quark und Margarine und eine Schale Tee. Bloß was für einer! Irgendwie Hagebutte oder so! Und das mir?
Das Fehlen meines Frauchens, meines Kampfkaters und meines Bierchens wird mir sicherlich zu schaffen machen.
Da ich keine Uhr habe (es dürfte im Moment etwa 18.00 Uhr sein), schreibe ich jetzt erstmal diverse Dinge.
Dabei vergaß ich: Bei der Essensausgabe (ein Schwarzer und ein Türke) (Anmerkung: Und natürlich auch ein Beamter) trat ich etwa 1 cm über die Türlinie nach draußen, worauf der Beamte mich anpfiff: "Wo wollen Sie denn hin?" Nun ja. Ich gab ihm zu bedenken, daß ich hier neu sei. Der Kerl scheint ein weniger guter zu sein. Der aber, der mich her brachte und wohl auch für mich zuständig ist, scheint sehr nett zu sein. Bis auf diesen einen waren ALLE sehr freundlich und höflich. Bisher kein militärischer Ton. Nach dem Essen gab es wieder warten.
Dann aber kamen wieder zwei Knastis und der nette Beamte. Da durfte ich mir unter einem Dutzend Schrott-Romanen (Anmerkung: Die Flur-Bibliothek) den besten aussuchen. Außerdem bekam ich Seife, Zahnbürste, Zahncreme und Briefumschläge, Schreibpapier, Antragsformulare und einen Kuli. Nun sitze ich hier und schreibe. Jetzt ist es nicht mehr langweilig. Erst habe ich an meine geliebte Anke einen Brief geschrieben, dann noch eine Überweisung ans UKE eingetütet und drei Anträge geschrieben:
1) Besucherliste
2) Antrag auf Telefonieren und
3) Antrag auf Nutzung der Bibliothek und die Rückgabe meiner Bücher, da dieses ausdrücklich zum Mitbringen erlaubt war.
Jetzt schreibe ich an meinem Tagebuch. Im Gang ist es ruhig, aber draußen brüllen einige Gefangene ziemlich laut herum.
Ich muß mir nachher noch ein bißchen was einfallen lassen wegen des Kopfkissens, aber ich hab da schon eine Idee.
So, jetzt geht der erste Tag seinem Ende entgegen. Es ist jetzt etwa 21.00 Uhr. Draußen hat jemand ständig einen anderen nach der Uhrzeit gefragt. Ich habe keine Uhr mit und ich denke, daß das vielleicht auch ganz gut ist. Man baut sich sein eigenes Zeitsystem auf, das sich an den Ereignissen orientiert, die hier so abgehen.
Habe mir aus meiner Windjacke und einer zweiten Decke ein Kissen gebastelt. So ganz ohne fände ich Scheiße. Und ich denke, es wird gehen.
Habe etwa 30 Seiten in dem Roman gelesen. Ist ja ein Bestsellerautor, aber zumindest der Stil der deutschen Übersetzung ist ziemlich grottig. Nun ja, vielleicht finde ich ja bald was besseres.
Gute Nacht!
Ich denke vor allem an meine süße Liebste!
Aber auch an Evchen, mein Muttchen und alle, die es mit mir ziemlich schwer haben!
Verzeiht mir, aber ich konnte nicht anders handeln!